2019 01 Feldlerche Flugbild AWiesenvögel in Gefahr !! Die Feldlerche (Alauda arvensis)  wird "Vogel des Jahres 2019". Wiesenbrütende Vögel sind oft leichter zu hören als zu sehen. Sie kommen im Februar und März aus ihren südlichen Überwinterungsorten zurück, und beginnen bald danach mit ihrer Brut. Man findet sie in Wiesen, offenem Brachland und extensiv bewirtschafteten Weiden und Feldern.

Wenn eine Art zweimal innerhalb von 20 Jahren zum Vogel des Jahres gewählt wird, dann muss es um seinen Bestand prekär bestellt sein.

Foto - Feldlerche im Flug

Der alarmierende Rückgang der Bestände dieses früheren Allerweltsvogels habe sich seit der ersten Wahl vor 20 Jahren (1998) fortgesetzt. Jede dritte Feldlerche ist seitdem verschwunden. Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, kürten NABU und LBV die Feldlerche zum „Vogel des Jahres 2019“.

„Nur noch wenige kennen und hören den Gesang der Feldlerche am Himmel. Intensivkulturen mit Wintergetreide, Mais und Raps, fehlende Brachflächen und der Rückgang von Insekten verringern ihren Lebensraum und ihre Nahrungsgrundlage“ so die Begründung der Träger dieser Kampagne.

Wenn wir den Stadtrand erreichen und uns der Feldflur nähern, dann fällt uns die fehlende Artenvielfalt auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen, wie auch die Ruhe über den Feldern auf. Kaum ein Vogel ist zu sehen und zu hören.

2019 02 Feldlerche KarteDie Feldlerche gehört wohl mit zu den Vogelarten, die - wenigsten dem Namen nach - den meisten bekannt sind. Die über der grünenden Saat singend aufsteigende Feldlerche ist,- jetzt muss man wohl sagen war - für unsere Felder eine bezeichnete Erscheinung, und es gibt wohl niemanden, der sich nicht über den abwechslungsreichen Gesang unserer Feldlerche in den Vorfrühlingstagen erfreute. Bereits Anfang/Mitte Februar kehren die Männchen aus ihrem südlich bis südwestlich Europas liegendem Winterquartier zurück. Die Weibchen folgen 13 Tage später nach. Ein kleinerer Teil der Population überwintert sogar in Deutschland.

Abb.: Verbreitung der Population in Europa

Doch ihre Stimme button anhoeren ist heute seltener zu hören. Einst war die Feldlerche ein häufiger Brutvogel der Agrarlandschaft. Doch schon seit vielen Jahren geht ihr Bestand stetig zurück. Die Gründe für den Rückgang sind mittlerweile gut bekannt. Demnach hat die Umstellung von Sommer- auf Wintergetreide dazu geführt, dass die Feldlerche nicht mehr genügend Bruterfolg hat. Denn im Wintergetreide, das bereits im zeitigen Frühjahr dicht und hoch aufwächst, findet die Feldlerche am Boden häufig keine geeigneten Stellen zur Nahrungssuche, um ihre Jungen zu versorgen.

2019 03 Projekt5Feldlerchen sind fast in ganz Europa verbreitet. Nur im äußersten Norden brüten sie nicht. Außer in Europa kommen Feldlerchen auch in Teilen Nordafrikas und in Asien bis Nordsibirien und Japan vor. Als Teilzieher verlässt die Feldlerche ihre Brutgebiete im Osten und Norden Europas, um den Herbst und Winter in wärmeren Gebieten zu verbringen.

Die meisten Lerchen ziehen in den Mittelmeerraum. Die Feldlerchen Nordsibiriens überwintern im Nahen Osten. In wintermilden Gegenden streifen die Vögel in der kalten Jahreszeit in Trupps von wenigen dutzend, aber auch von mehreren hundert Vögeln auf der Suche nach Nahrung umher.

Foto - Feldlerche in winterlicher Umgebung

In den 1960er Jahren schätzte man ein, dass „ ...der Individuenbestand der Feldlerche im mitteleuropäischen Raum für absehbare Zeit konstant bleiben dürfte. Die Einschränkung des Lebensraums durch zunehmende Bebauung landwirtschaftlicher Nutzflächen wird andererseits durch kontinuierliche Melioration vernässter Gebiete und Neuansiedlung auf Kahlschlägen weitgehend ausgeglichen“.

Das war eine völlig falsche Einschätzung! Man hatte nicht bedacht, dass sich in relativ kurzer Zeit die Strukturvielfalt auf Ackerflächen durch gleichmäßige, schnell wachsende Kulturpflanzenbestände (Raps, Mais, Wintergerste in Monokultur) verändern würde. Es mangelt an sogenannten Fehlstellen mit spärlicher Vegetation, die die Feldlerchen, als Bodenbrüter, zum Starten und Landen sowie zur Nahrungssuche brauchen. Auch der verstärkte Einsatz von Pestiziden und Herbiziden spielt keine unwesentliche Rolle. Als zusagenden Lebensraum verlangt sie niedrige oder zumindest gut strukturierte Gras- und Krautfluren auf trockenen bis wechselfeuchten Böden in offenem Gelände mit weitgehend freiem Horizont.

2019 04 Projekt6Die Feldlerche ist etwas größer als ein Sperling und mit 18 bis 19 Zentimetern erreicht sie fast die Größe wie ein Star. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt.

Die Oberseite und Vorderbrust sind blass beige-sandfarben bis rötlich-braun mit markanten dunklen Längsflecken und die übrige Unterseite ist weißlich.

Am Boden oder auf einer Warte fallen die oft vom Männchen zu einer deutlichen Haube gesträubten Scheitelfedern auf. Erwähnenswert ist auch die lange Hinterkralle (Hinterzehennagel), dem sogenannten Lerchensporn.

Foto - Aufmerksame Feldlerche am Boden 

Viele Bodenbrüter des offenen Landes tragen ihren Gesang im Flug vor. Nach meist lautlosem Abflug steigt das Feldlerchenmännchen  gegen den Wind, mit kurzhubigen Flügelschlägen fast senkrecht auf, leitet dann den Gesang mit einigen langgezogenen, lockrufähnlichen ,,trieh“ oder ,,trlie“ ein und steigt im Spiralflug mit immer kleiner werdenden Kreisen bis in durchschnittlich 50 bis 60 (80) m Höhe auf.

Langsam, mit fast bewegungslos ausgebreiteten Flügeln, gefächertem Schwanz und ausgestreckten Füßen gleitet der Vogel schließlich fallschirmartig abwärts, wobei er länger dauernde Töne einwebt. In 10 bis 15 m Höhe kann der Sänger verstummen, die Flügel halb anlegen, sich wie ein Stein fallen lassen und erst kurz vor der Landung in der Nähe der Singwarte abfangen. Weibchen singen ebenfalls, jedoch leise und am Boden.

Seit dem 18. Jahrhundert wurde der schlanke Vogel in der Sprache der Poesie als das Symbol eines guten und ausdauernden Sängers angesehen. So bedeutet im Französischen bis heute "Singen wie eine Lerche" so viel wie den Höhepunkt der Sangeskunst erreicht zu haben. Von jungen Mädchen sagt man in England, sie seien "munter wie eine Lerche", und von einem sangeslustigen Mädchen heisst es: "Sie singt wie eine Lerche."

2019 05 Projekt2Das Weibchen errichtet am Boden in Furchen und Mulden von Feldern und Wiesen das Nest, welches durch einen Erdbrocken oder ein Grasbüschel gut gegen Sicht geschützt wird. Das Nest selbst ist ein lockerer, breiter Bau aus trockenen Halmen und Wurzeln, welcher innen glatt und rund mit feinen Gräsern ausgelegt wird. Es werden zwei Jahresbruten durchgeführt. Für jede der aufeinanderfolgenden Bruten wird ein neues Nest gebaut. Die Bauzeit dauert bei Erstbrutnestern 8 bis 10, bei Folgenestern nur 4 bis 5 Tage. Folgenester enthalten durchschnittlich weniger Baustoffe als Erstbrutnester. Die Gelegestärke liegt bei 3 bis 5 Eiern, die in der Färbung und Zeichnung von Weibchen zu Weibchen sehr variabel sind, aber stets schwach glänzend. Auf weißlichem, rahm-farbenem oder hell bräunlichweißem Grund sind sie über und über dunkelgrau bis olivbraun oder braun gefleckt. Zum stumpfen Pol hin kranzartig gehäuft.

Foto - Gelege der Feldlerche

Die Eier werden in 11 bis 14 Tagen allein vom Weibchen erbrütet. Relativ zeitig verlassen die Jungen bereits am 9. Tag das Nest. Obwohl sie weder fliegen, noch flattern, noch richtig laufen, sondern sich nur hüpfend fortbewegen können. Die Jungvögel werden nach dem Verlassen noch etwa bis zum 30. Lebenstag von den Eltern gefüttert. Dennoch beginnen die Jungen vom 16. Tag  an selbständig Futter aufzunehmen.

Hinsichtlich ihrer Ernährung nimmt die Feldlerche eine Mittelstellung zwischen Weich- und Körnerfresser ein. Dabei ist die Nahrung den jeweiligen Jahreszeiten angepasst; grob eingeschätzt kann man sagen, grüne Blätter der Saaten stehen im Winter auf dem Speiseplan, während im Frühjahr und Sommer Gliederfüßer und Ringelwürmer bevorzugt werden und im Herbst Sämereien. Die Nestlinge werden in der Regel nur mit Insekten aufgefüttert.

2019 06 Lerchenfenster 2Mit Hilfe von Feldlerchenfenstern, Feldvogelinseln und Randstreifen schaffen immer mehr Landwirte Landemöglichkeiten im Feld. Mit diesen relativ einfachen Maßnahmen lassen sich auch in dichten Getreidebeständen Lebens- und Brutstätten für diesen charakteristischen Feldvogel schaffen. Seit einigen Jahren folgen viele Landwirte dem häufig auch gemeinsamen Aufruf von Bauern- und Umweltverbänden und heben für ein paar Meter die Sämaschine aus, um Fenster als Landeplatz für Feldlerchen im Acker anzulegen.

Foto - Sogenanntes "Lerchenfenster" in einem Feld

Die Feldlerche kennt man auch unter anderem als Morgen-, Sing- oder Sturzackerlerche. Andere gebräuchliche Namen sind Brach-, Acker- und Weglerche oder auch Korn- und Saatlerche, Luft- oder Holzlerche. Aber auch unter „Leipziger Lerche“ ist sie bekannt. Wie kam es zu dieser Bezeichnung?

Singvögel wurden seit dem Mittelalter in Europa gegessen, auch in Deutschland. Lerchen galten als Delikatesse und die Region Leipzig war jahrhundertelang ein Hauptfanggebiet. Die Vögel wurden in Haushalten und Gasthäusern gebraten und mit Kräutern und Eiern gebacken oder als Pastete zubereitet und auch ins Ausland verschickt. Allein im Jahr 1720 wurden an den Leipziger Stadttoren über 400.000 Lerchen verkauft. Schließlich verbot der sächsische König Albert I. 1876 offiziell die Lerchenjagd.

2019 07 LL Gebaeck BDer Überlieferung zufolge entstand ein Gebäck als Ersatz für die nicht mehr zubereiteten Singvögel. Dabei handelt es sich um ein Makronentörtchen, das aus Mürbeteig besteht und mit einer Masse aus zerdrückten Mandeln und Nüssen gefüllt ist.

Verziert ist es mit zwei überkreuzten Teigstreifen. Das Rezept erfahren sie unter: www.chefkoch.de. Guten Appetit!

Neben der notwendigen Schaffung von Lebensräumen in der Agrarlandschaft darf aber nicht außer Acht gelassen werden, dass der nach wie vor immense Flächenverbrauch eine große Gefährdung für diese Feldvogelart darstellt, indem Lebensräume durch Versiegelung verloren gehen.

Abb.: Das als "Leipziger Lerche" bekannte Gebäck

Seit 1990 sind es mehr als 1 Mio. ha infolge Umwidmung von landwirtschaftlichen Flächen zu Siedlungs- und Verkehrsflächen. Ebenso sind auch Beutegreifer, wie z.B. Füchse, Greifvögel und Hauskatzen sowie die Jagd auf Feldlerchen in Südeuropa eine Bedrohung für die Feldlerche.

Klaus Rost