2014_11_5180_Feldsperling_Klaus-RostIm vorhergehenden Beitrag hatten wir den Haussperling als eine der bei uns heimischen Sperlingsarten nähergebracht. Beide Sperlingsarten sind Höhlenbrüter und kommen als Brutvogel in unseren Kleingartenanlagen vor. Zur Erinnerung: Sie unterscheiden sich äußerlich dadurch, dass der Haussperling eine graue Kopfplatte hat, während der Feldsperling an seiner kakaobraunen Kopfplatte zu erkennen und im Gesamtaussehen „bunter" gefärbt ist, wohingegen beim Haussperling die eintönig graue Färbung vorherrscht.

Foto: Klaus Rost - Feldsperling

Der Feldsperling (Passer montanus) misst von der Schnabel- bis zu Schwanzspitze im Durchschnitt 14 cm, davon entfallen auf den Schwanz 5,5 cm. Das Männchen ist meist etwas größer als das Weibchen. Sein Gewicht beträgt im Mittel 23,5 g. Es variiert je nach Geschlecht, Alter, Jahreszeit und Ernährungszustand zwischen 20 und 29 g (ein Haussperling wiegt ca. 10 g mehr). Oberkopf und Nacken sind kakaobraun, Kinn, Kehle, ein Strich unter den Augen und ein Fleck auf der Ohrgegend sind schwarz, Wangen und Halsseiten weiß, so dass ein hinten fast geschlossenes weißes Halsband entsteht. Seine Unterseite ist hell graubraun und die Oberseite rostrot mit schwärzlichen Längsstreifen. Die braunen Flügel werden von zwei schmalen weißen Flügelbinden geziert. Der Bürzel ist graubraun und der Schwanz etwas dunkler. Das Weibchen trägt das gleiche Kleid, das nur, allerdings kaum merklich, matter erscheint.

Feldsperlinge bleiben fast immer lebenslänglich in ihrem Brutgebiet, oft sogar ihrer einmal erwählten Höhle treu. Die Jungen aber verlassen ihren Geburtsort und siedeln sich in mehr oder weniger großer Entfernung an. Die Paare halten, wie auch beim Haussperling, in der Regel lebenslänglich zusammen, wie aus zahlreichen Beringungen, mittels farbigen Ringen und Beobachtungen nachgewiesen werden konnte.

Mit dem Nestbau beginnen die Feldsperlinge Anfang bis Ende März. Beide Partner beteiligen sich daran etwa gleichmäßig. Das Nest wird in der Regel innerhalb von fünf Tagen errichtet. Aus alten Nestern schaffen sie zunächst den Kot sowie verschmutzte Niststoffe heraus und tragen danach neues Material ein. Gebaut wird vornehmlich in der ersten Tageshälfte. Die Bautätigkeit ist meist nicht sehr hoch und wird durch schlechtes Wetter gelähmt und z.T. auch unterbrochen. Im Großen und Ganzen sind die Nester schon in einigen Tagen, manchmal sogar in 2 Wochen vor der Eiablage fertig. Während der ganzen Legeperiode schaffen beide noch Material herbei, ja sogar bis die Jungen schlüpfen, bringen sie bei der Brutablösung oft noch eine Feder mit. Sobald die Jungen flügge sind, bessern die Eltern das Heim wieder aus, um darin erneut zu brüten. Manche Paare haben 2 oder 3 Nester zum Auswechseln.

Nicht selten brütet der Feldsperling, oft zu mehreren Paaren im Unterbau von bewohnten und unbewohnten Horsten der Reiher, Störche und Greifvögel. Als Baumaterial dienen hauptsächlich trockene Grashalme, dünne Krautstängel und Wurzeln, die meist in der Nähe der Höhle vom Boden aufgelesen und gebündelt eingetragen werden. Zwischendurch und besonders zum Schluss werden reichlich Federn verwendet, seltener Moos, Tierhaare und Lumpen. Für die Innenauskleidung schätzen sie ferner frische grüne Blätter und Blüten, eine ganz besondere Vorliebe haben sie für gefiederte Spiräenblätter und Schafgarbe. Auch für die 2. und 3. Brut versäumen sie nicht, das Nest mit frischem Grün auszupolstern. Stets ist die Nestmulde überdacht, meistens bis auf den Einschlupf ringsherum dickwandig geschlossen. In Nistkästen befindet sich mitunter so viel Material, dass nur eine enge Einschlupfröhre ins Innere führt.

Das Gelege besteht aus 4 bis 6, sehr selten 7, Eiern die in der Größe und Farbe recht variieren. Sie sind meist grünlich oder bräunlich mit mehr oder weniger ausgeprägter dunkler Fleckung. Manchmal ist ein sehr helles oder sogar weißes Ei dabei. Bei der Bebrütung der Eier teilen sich die Partner die Arbeit. Das Weibchen brütet aber etwas ausdauernder als das Männchen und stets nachts. Nach etwa 12 bis 14 Tagen schlüpfen die Jungen. Wobei manchmal die Geschwister innerhalb einer Stunde, gewöhnlich am frühen Morgen, schlüpfen. Die Augen der zunächst blinden Nestlinge öffnen sich am 5. Lebenstag, am 10. kommen sie zum Nesteingang, um Futter entgegenzunehmen. Während der ersten vier bis fünf Tage werden sie von den Elternvögeln ausschließlich mit Insekten gefüttert, danach erhalten sie auch zunehmend pflanzliche Nahrung.

Feldsperlinge brüten das erste Mal, wenn sie ein Alter von einem Jahr erreicht haben. Bis auf wenige Ausnahmen wird das Nest sauber gehalten. Die Eischalen fressen sie wohl immer und den Kot am ersten Tag auch, jedoch schon am zweiten Tag schaffen sie ihn heraus. Auch an der Aufzucht der Jungen beteiligen sich beide Elternteile. Die Nestlingszeit beträgt, je nach Witterung, 13 bis 16 Tage.

Das Ausfliegen kann zu allen Tageszeiten stattfinden und wird oft von aufgeregten „tät-tät" Warnrufen und Gezeter der Eltern begleitet. Noch 10 bis 14 Tage nach Verlassen des Nestes werden die Jungen versorgt. Ganz allgemein bevorzugt er in der Brutzeit Insekten und in den anderen Jahreszeiten kleine Sämereien. Der Verbrauch an Getreide ist höchstens nur ein Drittel so hoch wie beim Haussperling und kann in manchen Landstrichen noch viel geringer sein.

Der Feldsperling schätzt das Getreide in halbreifem Zustand und plündert gelegentlich noch ungemähte Weizenfelder. Der wirtschaftliche Schaden, den er dem Menschen dadurch zufügen kann, ist jedoch gering und wird durch Vertilgung vieler Obstbaumschädlinge und Unkrautsamen bei weitem wieder ausgeglichen. Das Getreide, das er sich an Silolager- und Druschplätzen holt, ist ohnehin für die menschliche Ernährung verloren. Kleine Sämereien nehmen die Feldsperlinge am liebsten von Melde, Brennnessel, Vogelknöterich, Vogelmiere, Beifuß, Mohn, Borstenhirse, auch Diestel und im Winter, wenn alles verschneit ist, sogar Goldrute und Schilf. Im Gegensatz zum Haussperling fressen sie weder keimende Gartenpflanzen oder Knospen und Früchte. Feldsperlinge halten sich manchmal auch in Baumkronen auf und suchen z. B. Nach Ulmen- und Erlensamen.

Die flüggen, noch unerfahrenen Jungen haben besonders viele Gefahren zu bestehen; sie werden leichter als Altvögel Opfer eines Räubers, leiden unter Schlechtwetterperioden (Durchnässung des Gefieders, mangelnde Nahrung) und weniger widerstandsfähige werden von Parasiten sowie Krankheiten befallen und dadurch wiederum eine bequeme Beute anderer Tiere. Aber auch von den Gefahren der Jugend entronnene Altvögel leben im folgenden Jahr nur noch etwa 35%. Ein Feldsperling hat also wenig Aussicht, im Durchschnitt älter als ein Jahr zu werden.

Zeitweise leiden Sperlinge an Parasiten. Fast immer findet man in den nun schon zum 3. Mal benutzten Nestern Flöhe, manchmal auch Milben, Zecken, Federlinge und Vogelblutfliegen. Auch Saug- und Bandwürmer verschiedener Gattungen können Feldsperlinge befallen. Die Parasiten sind entweder auf den Feldsperling beschränkt oder kommen ebenfalls beim Haussperling vor, manche sogar bei noch anderen Singvögeln. Deshalb ist es wichtig, dass nach dem Ende der Brutsaison die Nistkästen gründlich gereinigt werden. Am besten eignet sich dafür das Auswaschen mit warmen Wasser. Chemische Insektenmittel sollten dazu niemals Anwendung finden!

Klaus Rost