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Der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus), einer der kleinsten Vertreter aus der Familie der Drosseln ist über ganz Europa verbreitet und seine Lebensräume befinden sich in lichten Laub-, Misch und Kiefernwäldern sowie in Parks und Gärten mit Großbaumbeständen.

Fotos: wikipedia

 

 

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Mit seiner orangeroten Brust, seinem dezent grauen Rücken, dem schwarzen Gesicht samt Kehle sowie dem auffallend weißen Stirnfleck ist das smarte Männchen mit einem kontrastreichen Gefieder ausstaffiert. Das schlanke Weibchen dagegen im graubraunen bis beigefarbenen Federkleid ist eher ein Vöglein von schlichter Eleganz. Beide verfügen aber über das häufig zitternde rostrote Schwänchen, das ihnen auch zu ihrem Namen verholfen hat. Der Gartenrotschwanz ist – wie sein enger Verwandter, der Hausrotschwanz – ein Zugvogel, der mit konstanter Regelmäßigkeit im ersten Drittel des Aprils aus seinen afrikanischen Überwinterungsgebieten kommend, bei uns eintrifft.

 

Von diesem Zeitpunkt an kann man auch den weichen, klangvollen Gesang des Männchens hören. Er ist es auch, der schon weit vor Sonnenaufgang den Auftakt zum Vogelkonzert gibt, ehe Feldlerche, Singdrossel, Rotkehlchen und die anderen Sänger einsetzen. Als Brutplätze werden natürliche Höhlungen aller Art und Nistkästen bevorzugt.

Die Bebrütung der 5 bis 7 türkisblauen Eier dauert 13 bis 14 Tage und wird wie der Nestbau vorwiegend vom Weibchen durchgeführt. Beide Altvögel füttern die Jungen mit allerlei Raupen, kleinen Spinnen und Hautflüglern, bis ihre Zöglinge nach zwei Wochen das schützende Nest verlassen. Diese Prozedur findet zwischen Anfang Mai bis Mitte Juli zweimal statt. Ab September beginnt dann der Aufbruch zur weiten Flugreise gen Süden, die bis Zentralafrika führen kann.

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Bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts war der Gartenrotschwanz in Deutschland ein häufiger Garten- und Waldvogel. Durch Umstrukturierungen seiner Lebensräume, die sich vor allem in Gärten mit alten Obstgehölzen im ländlichen Raum befanden, ist er systematisch zurückgedrängt worden.

In den Kleingartenanlagen ist dieser Trend ebenfalls zu verzeichnen. Deshalb ist ein Umdenken dringend nötig und der Garten sollte mehr nach ökologischen Gesichtspunkten gestaltet und bewirtschaftet werden. Eine artenreiche Bepflanzung mit einheimischen Gehölzen, unterschiedlich hohe Vegetationsstrukturen, der Verzicht auf Insekten- und Pflanzengiften, die Umwandlung von Rasenflächen zu Blühwiesen und das Anbringen von Nistkästen in den Parzellen wären schon einige Beispiele, um die Nahrungs- und Wohnungsnot des Gartenrotschwänzchens zu lindern.

Wenn auch lt. BKleingG Wald- und Parkbäume in Kleingärten nichts zu suchen haben und starkwachsende Obstbäume immer mehr den Buschformen weichen, so sollten doch in den in den öffentlichen Bereichen oder auf Flächen, die für die kleingärtnerische Nutzung ungeeignet sind, wieder Groß(Obst)bäume gepflanzt werden. Sind unsere Kleingartenanlagen erst wieder so ausgerüstet, findet unser liebenswerter Singvogel mit dem farbenprächtigen Gefieder (und andere) genügend Jagdgelegenheiten, Singwarten und eine lebenswerte Brutheimat.

Mit der Wahl zum Vogel des Jahres 2011 wollte man auf den Verlust der Lebensräume dieses einst häufigen Gartenvogels hinweisen und dass sich zum Schutz dieser Art etwas ändern muss. Es wäre schon fatal, wenn es erst so weit kommen würde, dass durch eine „Miss-Vogel" die Gesellschaft auf den Gartenrotschwanz aufmerksam gemacht wird. Mit seiner schlanken Figur, den schönen langen Beinen und dem hübschen Gesicht entspricht er zwar dem heutigen „Schönheitsideal" und hätte bei der Jury gute Chancen auf einen der vorderen Plätze, nur hätte das auf seine Bestandsentwicklung und den Schutz keinen Einfluss und es würde diesem hübschen Vogel genau so wenig nützen, wie dem Zaunkönig eine Krone.

Peter Schädlich - Vogelschutzlehrstätte