Der gelernte Drogist Andreas Hohmann (4. Juni 1896 – 15. Dezember 1977) war später bis zu seinem Eintritt in das Rentenalter bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) tätig, davon viele Jahre als Fahrdienstleiter auf dem Straßenbahnhof Leipzig-Reudnitz. Sein Vater, ein Landschaftsmaler, hatte den Jungen oft mit in die nähere und weitere Umgebung von Leipzig genommen und so die Liebe zur Natur geweckt, besonders zu den Gefiederten. Hohmann war Kleingärtner und Vogelschützer aus Leidenschaft.

1926 trat A. Hohmann der Leipziger Gruppe des Bundes für Vogelschutz bei, die unter der Leitung von Martin Herberg stand. In Steckby konnte er sich praktische Kenntnisse im Vogelschutz und gute Artenkenntnisse aneignen, anfangs unter Amtmann Behr, später unter R. Berndt und M. Herberg. Bis 1944 nahm er jährlich an den Nistkastenkontrollen im Versuchsrevier Steckby – Lödderitzer Forst teil. Eine innige Freundschaft verband ihn über viele Jahre mit Martin Herberg, mit dem er nicht nur die Begeisterung für Vögel und deren Schutz, sondern auch für die Jagd teilte.

1927 gründete Hohmann zusammen mit anderen Gartenfreunden die Kleingartenanlage „Am Kärrnerweg“ in Leipzig-Stötteritz und wurde deren Vorsitzender. In der Nähe des Vereinslokals richtete er 1931 in einer Holzbaracke die „Vogelschutz-Versuchsstation in der Kleingartengruppe Am Kärrnerweg Leipzig Stötteritz“ ein.

Im Jahre 1933 begann er mit der Gestaltung eines Vogelschutzhains, der 1935 eingeweiht wurde. In der Baracke, die heute als Geräteschuppen der Anlage genutzt wird, führte er Ausstellungen und Vogelschutzlehrgänge durch, im Vogelschutzhain demonstrierte er praktischen Vogelschutz.

Auch unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg 1945/46 setzte er hier die vogelschützerische Arbeit fort und zeigte auf engem Raum, wie der Vogelschutz in Kleingärten praktiziert werden kann. Die Anlage wurde jetzt unter der Bezeichnung „Vogelschutz-Versuchsstation der Kleingartenhilfe des FDGB“ weitergeführt. Sein Bemühen ging aber dahin, eine größere und dauerhafte Lehrschau zu schaffen. Diese Möglichkeit bot sich in den 1950er Jahren. Für den Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK) baute er eine Vogelschutzlehrstätte mit einer umfangreichen Dauerausstellung auf. Nur wer die Schwierigkeiten und Probleme der damaligen Zeit kennt, kann ermessen, welche Kraftanstrengung und Beharrlichkeit dazugehörte, eine Holzbaracke, die nach dem Krieg als Tageskino gedient hatte, ab- und in der Kleingartenanlage „Am Kärrnerweg“ wieder aufzubauen.

Am 5. Juni 1955 konnte die Lehrschau eröffnet werden. Grundlage dieser Lehrschau waren neben den Exponaten aus der alten Ausstellung „Die Singvögel der Gärten, deren Nester und Eier“. Teile einer durch R. Gerber vom Schloss Thammenhain bei Wurzen geretteten Sammlung von Vogelpräparaten, die z.T. noch aus den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts stammten und teilweise vom Präparator Schob aus Dresden gefertigt worden waren, wie Gerber nachweisen konnte. Ergänzt wurde die Ausstellung durch geeignete und ungeeignete Nisthilfen und anderes Vogelschutzmaterial als Demonstrationsobjekte. Tausende von Besuchern und Hunderte von Schulklassen lernten hier Fragen des Vogelschutzes im Allgemeinen und insbesondere in Kleingärten kennen.

Zusammen mit W. Sengenberger baute er im Stadt- und Landkreis Leipzig ein System von Beauftragten für den Vogelschutz in den Kleingartensparten auf. Durch Schulungen und Bestimmungsübungen wurden die so genannten „Vogelschutzwarte“ nicht nur aus Leipzig, sondern aus allen Gegenden der ehemaligen DDR mit den Arten, ihren Nestern und Eiern vertraut gemacht.

In jeder Saison erfolgten zwei- bis dreimal Kontrollen der vorhandenen Nistkästen und die Dokumentation der Ergebnisse in Listen. Die „Vogelwarte“ der einzelnen Anlagen sorgten auch für das sachgemäße Ausbringen von Nistgelegenheiten. Sie gaben den Kleingärtnern Hinweise zum Vogelschutz bis hin zur Winterfütterung. Die Freibrüter wurden nur z.T. erfasst. Leider sind die umfangreichen Protokolle nur bis 1967 ausgewertet.

Die Arbeit mit der Jugend war Andreas Hohmann sein besonderes Bedürfnis. Über viele Jahre leitete er Kindergruppen, hielt ungezählte Vorträge in Kinderferien- und Spezialistenlagern.

Auf erlebnisreichen Exkursionen vermittelte er vielen Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen naturkundliche Kenntnisse. Aus den von ihm geleiteten Kinder- und Jugendgruppen gingen mehrere Naturschützer und Ornithologen hervor, z.B. D. Heyder, R. Kretzschmar, J. Oertner, O. Richter, K. Rost u.a.

In Hunderten von Dia-Vorträgen, mit von ihm selbst aufgenommenem Bildmaterial, machte er Kleingärtner und Siedler mit Problemen des Vogelschutzes vertraut. Er scheute sich auch nicht, in Kindergärten und Schulen aufzutreten, um so die Jüngsten für den Schutz der Vögel aufzuschließen. Seine Erfahrungen gab er mündlich gern weiter, zur Feder griff er ungern. So finden wir seinen Namen nur unter wenigen Artikeln in Tageszeitungen. Dass ein Mensch wie Andreas Hohmann neben seiner Tätigkeit für den Vogelschutz auch den Kontakt zur wissenschaftlichen Ornithologie suchte, ist selbstverständlich. So trat er 1938 in den Ornithologischen Verein zu Leipzig ein. Diese Mitgliedschaft ist offenbar während seiner Militärzeit im Zweiten Weltkrieg erloschen, denn erst 1959 wurde er wieder Mitglied der Leipziger Fachgruppe. Über eine Reihe von Jahren gehörte er dem Bezirksfachausschuss Ornithologie in Leipzig an und vertrat dort die Belange des Vogelschutzes.

Andreas Hohmann war ein Mensch, dem die Probleme der Umwelt nicht gleichgültig waren und der für den Vogelschutz im Leipziger Raum und darüber hinaus sehr viel getan hat.

Günter Erdmann

(aus dem Mitteilungsblatt „Leipziger Gartenfreund“, Juli 2000, Seiten 14/15)