Haussperling-Hahn thumbDer häufigste Wintervogel in Deutschland bleibt der Spatz. Auch bei der sechsten bundesweiten „Stunde der Wintervögel" behauptete der Haussperling seinen Spitzenplatz. Bei Deutschlands größter wissenschaftlicher Mitmachaktion, die vom 8. bis 10. Januar stattfand, haben bundesweit ca. 91.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen Ergebnisse aus über 61.000 Gärten übermittelt. In den jeweils einstündigen Beobachtungszeiträumen wurden insgesamt rund 2,5 Millionen Vögel gezählt. Pro Zählstelle wurden damit im Schnitt knapp über 41 Vögel erfasst. Im vergangenen Winter beteiligten sich über 77.000 Menschen mit Meldungen aus knapp 53.000 bundesdeutschen Gärten an der Aktion.

Foto - Klaus Rost: Haussperling-Männchen


Auf den ersten acht Plätzen der häufigsten Wintervögel folgen nach dem Spitzenreiter Haussperling dann Kohlmeise, Amsel, Blaumeise, Feldsperling, Buchfink, Grünfink und Ringeltaube, was genau dem Durchschnitt der Zählungen vergangener Jahre entspricht. Nur in kalten Wintern mit viel Zuzug von Verwandten aus dem Norden und Osten scheint die Kohlmeise den sehr sesshaften Haussperling bundesweit von Platz Eins verdrängen zu können – so geschehen zuletzt im Jahr 2014. „Je mehr Bürger uns Daten über die Vögel vor ihrer Haustür übermitteln, desto genauer wird unser Schnappschuss der winterlichen Vogelwelt in Deutschlands Gärten und Parks“, sagte NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann.

Die für Ornithologen und Naturschützer wichtigsten Ergebnisse der Zählung sind jedoch Hinweise auf langfristige Zu- oder Abnahmen bestimmter Vogelarten. „Über Zunahmen freuen wir uns, bei Abnahmen müssen wir möglichst schnell die Ursachen bestimmen, um gegensteuern zu können“, so Lachmann.

Hier bereitet vor allem der Grünfink Sorgen: Seit der ersten Durchführung der Aktion werden von Jahr zu Jahr weniger von diesen für den menschlichen Siedlungsraum typischen Finkenvögeln gesehen. Mit 1,7 Vögeln pro Garten sind es in diesem Winter etwas weniger als halb so viele wie z.B. 2011 in Niedersachsen. Als Grund vermuten die Vogelschützer vor allem das in den vergangenen Jahren vermehrt auftretende „Grünfinkensterben“, hervorgerufen durch eine Infektion mit dem parasitären Einzeller Trichomonas gallinae, der besonders an sommerlichen Futterstellen übertragen wird, an denen viele Vögel zusammenkommen.

Ziehende Kraniche wurden vermehrt beobachtet: Der Kälteeinbruch kurz vor dem Zähltermin im Norden Deutschlands führte außerdem zu einer kleinen Kuriosität: Viele Kraniche, die bis dahin versucht hatten, in Deutschland zu überwintern, machten sich mitten im Winter doch noch auf den Weg in den warmen Südwesten. Dabei wurden sie, obwohl sie keinesfalls typische Gartenvögel sind, über vielen Gärten ziehend beobachtet.

In Niedersachsen wurden 244 von insgesamt 7.899 Kranichen bundesweit gemeldet, wobei manche ziehenden Trupps sicherlich mehrfach registriert wurden. Auf der Deutschlandkarte der Wintervögel bilden sich daher ganz deutlich die beiden Hauptflugrouten der Kraniche ab, nämlich von der Ostsee über das Ruhrgebiet und von Berlin bis ins Saarland.

Abgesehen von den vermehrt in Deutschland überwinternden Kranichen konnten trotz des bis zum Zähltermin besonders milden Winters niedersachsen- und deutschlandweit keine deutlich erhöhten Zahlen von überwinternden Zugvögeln festgestellt werden.

Tauben breiten sich aus: Eine interessante Tendenz beobachten die Vogelforscher jedoch bei Deutschlands größter Wildtaube, der Ringeltaube. Zwar sind die im Rahmen der Stunde der Wintervögel gemeldeten Zahlen nur unwesentlich angestiegen, dafür aber ist der Anteil der Gärten, aus denen diese Taube gemeldet wurde, über die Jahre signifikant angestiegen: Statt z.B. nur in 28 Prozent aller Gärten im Jahr 2011, befindet sie sich nun 39 Prozent aller niedersächsischen Gärten. Dies deutet darauf hin, dass die Art ihr Winterverbreitungsgebiet in Niedersachsen derzeit deutlich ausweitet.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt in diesem Jahr der Stieglitz, Vogel des Jahres 2016. Sein Bestand nimmt deutschlandweit stark ab, er liebt aber winterliche Futterstellen. In der Tat erreichte der Stieglitz in diesem Jahr bundesweit mit 0,51 Vögeln pro Garten ein gutes Ergebnis. Ob dieses erfreuliche Ergebnis lediglich dem diesjährigen „Promi-Status“ des Vogels zu verdanken ist, oder wirklich eine beginnende Bestandserholung anzeigt, werden die Ergebnisse zukünftiger Zählungen zeigen. Im Jahr des Stieglitz fordern NABU und LBV alle Bürger auf viele ‚bunte Meter‘ aus samenreichen Wildblumen zu schaffen.

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