2018 04 Wiesenschafstelze Frebeck CC BY SA 3.0Die Schafstelze (Motacilla flava), auch Wiesenschafstelze, wird ca. 15 bis 16 cm groß, ist ein wenig kleiner als die Bachstelze und hat einen etwas kürzeren Schwanz als Bach- und Gebirgsstelzen. Der Rücken ist olivgrün (Jungvögel olivbräunlich), gelb die Unterseite. Diese olivgrüne Färbung ist ein sicheres Unterscheidungsmerkmal zur Gebirgsstelze, die einen grauen Rücken hat. Schafstelzen-Weibchen und die Jungen sind blasser als das Männchen. Der Kopf ist grau mit hellem Überaugenstreif. Der kurze Schnabel und die Beine sind dunkelgrau bis schwarz. Das Weibchen hat im Gegensatz zum Männchen eine etwas blassere Zeichnung und einen graubraunen Kopf.

Foto - Frebeck: Wiesenschafstelze

Übrigens haben die kleinen Vögel ihren Namen nicht zufällig bekommen, denn sie halten sich gern auf Äckern, Streuwiesen und Weiden auf, wo Viehherden (heute eher Kühe und Pferde als Schafe) oft nicht weit sind. Zwar bevorzugen sie die Nähe zum Wasser und bewohnen auch Feuchtwiesen, sind aber nicht so sehr ans kühle Nass gebunden wie die beiden anderen Stelzenarten.

Die Wiesenschafstelze ist ein Langstreckenzieher mit Winterquartieren im tropischen Afrika und Asien. Die Hauptüberwinterungsgebiete der europäischen Brutvögel liegen vor allen in Afrika südlich der Sahara mit Schwerpunkt vom Senegal bis Kenia. In Deutschland kann auch die skandinavische Thunbergschafstelze (Motacilla thunbergi) als Durchzügler beobachtet werden.

Die Männchen kehren im Frühjahr etwas eher zurück und wählen das Brutrevier, in dem dann das Weibchen, vom Männchen begleitet, das Nest baut. Das Nest ist locker aus Stängeln und Wurzeln geflochten. Die Nestmulde wird mit Tierhaaren oder Pflanzenwolle ausgepolstert. In der Regel liegt es in einer Vertiefung unter einem Grasbüschel, unter einer Erdscholle, manchmal auch im Getreide-, im Klee- oder sogar im Kartoffelfeld. Soweit im flachen Gelände irgendwelche erhöhte Stellen, Hügel, Feldraine, Straßen und Eisenbahndämme vorkommen, legt die Schafstelze ihr Nest gern an deren Rändern an.

Die 4 bis 6 Eier des Geleges sind auf gelblichem, bräunlichgrünem oder rötlichem Grund sehr dicht graubraun gefleckt, so dass die Grundfarbe oft überdeckt ist. Nachdem die Eier in 13 bis 16 Tagen vom Weibchen allein bebrütet wurden, verlassen die jungen Schafstelzen nach 13 Tagen das Nest. Aber erst nach 4 bis 5 Tagen unternehmen sie kürzere Flüge. Die Fütterung der Jungen erfolgt durch beide Eltern. Es findet auch nur eine Jahresbrut statt. Es ist bisher nicht geklärt, ob später gefunden Bruten Ersatzgelege waren oder ob es sich um eine zweite Brut handelt.

Fliegende Insekten, wie Fliegen und Mücken, sind die Hauptbeute von Schafstelzen. Daneben werden aber auch Larven, Käfer, Heuschrecken und vereinzelt Spinnen und kleine Schnecken und Würmer gefressen. Bei entsprechendem Angebot nehmen Schafstelzen auch Schmetterlinge, Raupen und Blattläuse an. Die ältesten bisher gefundenen Ringvögel waren 8 Jahre und 11 Monate sowie 8 Jahre und 5 Monate alt.

2018 04 Gebirgsstelze 2 MortimerCat CC BY SA 3.0Trotz ihres Namens kommt die Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) auch regelmäßig in den Niederungen vor, allerdings in etwas geringerer Dichte. Mit Vorliebe besiedelt sie rasch fließende Bäche mit kiesigen Ufern. Sie ist ein Indikator für saubere, ungestörte und naturnahe Fliessgewässer.

Die Unterscheidung der beiden in Mitteleuropa brütenden gelben Stelzen bereitet dem Anfänger bisweilen gewisse Schwierigkeiten, deshalb sei auf folgende Unterscheidungsmerkmale besonders hingewiesen:

Foto - Mortimer: Gebirgsstelze im ersten Winter 

Beide Arten, die Gebirgsstelze wie auch die Schafstelze haben als erwachsene Vögel gelbe Unterseiten, die Gebirgsstelze hat jedoch einen grauen, die Schafstelze einen olivgrünen Rücken. Hinzu kommt noch, dass das Männchen der Gebirgsstelze im Brutkleid eine schwarze Kehle hat (keine Schafstelze hat eine schwarze Kehle).

Das Nest der Gebirgsstelze steht fast ausschließlich in Wassernähe, selten mehr oder weniger frei, meist in Halbhöhlen und Nischen aller Art, also in Mauerlöchern von Uferbefestigungen und Gebäuden, unter Brücken, an Wehren und Wassermühlen. Es gleicht dem der Bachstelze. Auch hier baut nur das Weibchen, das dabei auf seinen Flügen zum Nistplatz vom Männchen begleitet wird. Regelmäßig werden zwei Bruten durchgeführt. Das Gelege der ersten Brut mit 5 bis 6 Eiern findet man im April, das der zweiten Brut mit 4 bis 5 Eiern im Juni bis Juli. Die Eier sind auf grünlichgelbem Grund dicht mit rötlichbraunen Flecken bedeckt. Die Brutdauer beträgt 12 bis 14 Tage. Im Gegensatz zu den beiden vorher beschrieben Arten erfolgt die Bebrütung durch das Männchen und Weibchen. Die Nestlingszeit ist 12 bis 13 Tage.

2018 04 Gebirgsstelze weibl Phil Armitage GreyWagtail KentAls Nahrung nehmen die Vögel vor allem am und im Wasser lebende Insekten und deren Larven auf. Zweiflügler werden in der Brutzeit besonders viel gefangen, auch Eintags-, Köcher- und Steinfliegen sind häufige Beutetiere.

Kleintiere wie Spinnen, und Flohkrebse sind weitere nachgewiesene Beutetiere. Die Jungensterblichkeit ist hoch, 60 bis 75% sterben im ersten Jahr. Der älteste gefundene Ringvogel war mindestens 8 Jahre alt.

Foto - Phil Armitage: Weibliche Gebirgsstelze  

Alle drei vorgestellten Arten sind Zugvögel. Im Oktober ziehen die Bachstelzen Richtung Süden in den Mittelmeerraum bis nach Nordafrika. Die Gebirgsstelze verbringt den Winter in Südeuropa. Ab März erfolgt die Rückkehr nach Mittel- und Nordeuropa.

Die Schafstelze hingegen verlässt bereits Ende August ihr Brutgebiet und trifft auch erst im April dort wieder ein. Ihre Winterquartiere liegen im tropischen und südlichen Afrika.

Über die Häufigkeit des Vorkommens kann man Im Brutvogelatlas der Stadt und des ehemaligen Landkreises Leipzig ist dazu vermerkt:

  1. Bachstelze häufigster Brutvogel im Leipziger Raum 800 -1000 BP.
  2. Schafstelze 800 - 900 BP , mehr im Umland in den ländlichen Gegenden
  3. Gebirgsstelze nur sporadisch als Brutvogel an den Leipziger Flussläufen.

Die Wiesenvögel in Deutschland haben es nicht leicht. Ihr Lebensraum wird immer mehr zerstört. Auch als ausgesprochene Insektenfresser haben sie unter Nahrungsmangel zu leiden. Ging doch seit den 1990er Jahren der Anteil an Insektennahrung um mehr als ein Dreiviertel (76-81 %) zurück!

Klaus Rost