2018 01 Star Lutz Vetter 022Vogel des Jahres 2018 ein "Allerweltsvogel": Der Star (Sturnus vulgaris)

Dem Waldkauz 2017 folgt nun der mittelgroße Singvogel. Sein Bestand hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Er steht inzwischen auf der Roten Listet. In Deutschland schwankt der Bestand des Stars jährlich zwischen 3 und 4,5 Millionen Paaren, je nach Nahrungsangebot und Bruterfolg im Vorjahr. Das sind zehn Prozent des europäischen Starenbestandes. Trotzdem ist der schillernde Geselle ein typisches Beispiel für den stillen Rückgang der häufigen Vogelarten, denn sein Bestand nimmt stetig ab.

Foto - Lutz Vetter: Star mit Beute im Schnabel

2018 01 Star Lutz Vetter 019In der aktuellen deutschlandweiten Roten Liste ist der Star sogar direkt von „ungefährdet“ (RL 2007) auf „gefährdet“ (RL 2015) hochgestuft worden, ohne vorher auf der Vorwarnliste gestanden zu haben. Aktuell brüten heute etwa zwei Millionen Staren-Paare weniger in Deutschland als noch vor zwanzig Jahren. Gründe für seinen Rückgang sind der Verlust und die intensive Nutzung von Weiden, Wiesen und Feldern, auf denen der Star nicht mehr genug Würmer und Insekten zum Fressen findet.

Foto - Lutz Vetter: Nisthöhle im Baum

Werden Nutztiere nur im Stall gehalten, fehlt der Mist, der Insekten anlockt. Biozide und Agrochemikalien vernichten zudem weitere Nahrungstiere. Aber auch ältere Bäume mit Brutmöglichkeiten fallen unter dem Vorwand der Verkehrssicherungspflicht immer häufiger der Kettensäge zum Opfer.

Der Star ist ca. 22 cm groß und hat eine Flügelspannweite von ca. 40 cm. Er ist damit  deutlich größer als ein Sperling, doch kleiner als eine Amsel. Das Männchen ist im Frühjahr schwarz gefärbt und das Gefieder schillert grün bis purpur (Metallglanz). Im Herbst und Frühwinter ist das Gefieder der Altvögel mit vielen weißen Tupfen übersät. Während dieser Zeit wird er auch als „Perlstar“ bezeichnet. Diese hellen Federsäume reiben sich bis zum Frühjahr größtenteils ab. Der Schnabel ist im Prachtkleid gelb. Im Schlichtkleid ist der Schnabel schwärzlich. Die Geschlechter unterscheiden sich nur geringfügig, Weibchen sind etwas weniger intensiv metallisch glänzend gefärbt als Männchen.

Sein Nest errichtet der Star in irgendwelchen Höhlen, bei uns in den Gärten besonders in Nistkästen, vorausgesetzt das Einflugloch hat die entsprechende Größe von 46 mm, in natürlichen Baumhöhlen, in Spechthöhlen, in Mauerlöchern. Der Nistplatz wird vom Männchen ausgesucht und muss bisweilen gegen andere Interessenten (Haussperlinge, Mauersegler) hart verteidigt werden.

Das Nest ist ein recht „liederlicher“ Bau aus Strohhalmen, Fasern und Federn zusammengefügt und wird gelegentlich mit frischen Blüten ausgelegt. Solches Verhalten finden wir  aber meistens nur bei unbeweibten Starenmännchen. Sie bauen ein sogenanntes Werbenest. Es lässt immer auf Junggesellen schließen, wenn wir Blätter oder Blumen als fast ausschließliches Nistmaterial im Kasten finden. Als solcher Blumenschmuck wurden bisher Primeln, Leberblümchen, Krokus, Stiefmütterchen, Löwenzahn, Scharbockskraut, Flieder, Lungenkraut, Blütenblätter der gelben Narzisse, Obstblüten, Scilla, Salat sowie Keimlinge von Bohnen und Erbsen nachgewiesen.

Nach erfolgter Verpaarung wird der Nestbau dann vom Weibchen meist allein fortgeführt. Das Gelege umfasst 4 bis 6 hellblaue Eier, die von beiden Partnern abwechselnd bebrütet werden. Die Brutzeit dauert ungefähr 14 Tage. Im Alter von drei Wochen wagen es die Jungen, zum ersten Mal ihre Bruthöhle zu verlassen. Es können zwei Jahresbruten stattfinden.

2018 01 Star Peter Schädlich 0463Während die im Winter bei uns verbliebe­nen Vögel, wie Haus- und Feldsperlinge, Kohl-, Blaumeisen und Kleiber bei günstigen Wet­terbedingungen bereits Nistmaterial in die künftige Brutwohnung eintragen - für diese Arten reicht ein Fluglochdurchmesser von 32 mm - hat sich auf dem Nistkasten mit einem größeren Einflugloch (46 mm) das Starenmännchen niedergelassen und versucht mit einem wohltuenden Gesang ein Weibchen anzulocken, mit dem es in diesem Jahr für Nachwuchs sorgen möchte.

Foto - Peter Schädlich: Von hier aus hat man den besten Überblick ...

Der Gesang ist sehr vielseitig; pfeifende, schmatzende und schnarrende Laute werden mit Imitationen anderer Vogelgesänge vermischt und - von einem raschen Flügelschlagen begleitet - vorgetragen. Wie talentiert Stare beim Imitieren von Lauten und sogar Musikstücken sind, hat sogar Eingang in die Musikgeschichte gefunden. Wolfgang Amadeus Mozart hielt drei Jahre lang einen Star als Haustier. Schon bald konnte der gelehrige Vogel das Rondothema aus dem Klavierkonzert Nr. 17 in G-Dur (Köchelverzeichnis 453) nachpfeifen. Als sein „Vogel Stahrl“ starb, war der begnadete Komponist untröstlich und widmete ihm gar ein eigenes Poem: „Hier ruht ein lieber Narr/ Ein Vogel Staar/ Noch in den besten Jahren/ Mußt‘ er erfahren/ Des Todes bittern Schmerz“.

Abhängig von seinem Lebensort ist unser Jahresvogel Standvogel, Teilzieher oder auch Kurzstreckenzieher. Mitteleuropäische Stare ziehen zum Großteil bis in den südlichen Mittelmeerraum und nach Nordafrika. Andere wichtige Überwinterungsgebiete sind die Regionen an der Atlantikküste Frankreichs und Spaniens, die Beneluxländer und Großbritannien.

Die maximale Zugstrecke liegt bei 2.000 Kilometern. Einige Stare überwintern auch bei uns, der überwiegende Teil dieser Vögel aber stammt aus Skandinavien oder Osteuropa. Doch auch unsere heimischen Stare verzichten vermehrt auf lange Reisen und nehmen schon im Südwesten Deutschlands Winterquartier.

Das Ansiedeln von Staren mit Hilfe von künstlichen Bruthöhlen geht übrigens weit über 300 Jahre zurück. Es mag uns heute eigenartig erscheinen, wenn wir erfahren, dass dieses Nistkastenaufhängen ursprünglich dazu diente, die Starnestlinge vor dem Ausfliegen auszunehmen und zu verspeisen. So dürfte die auch heute noch mancherorts gebräuchliche Bezeichnung „Starenmäste“ hierauf zurückgehen, weil die Jungstare darin von ihren Eltern nur für Küchenzwecke gemästet werden sollten.

2018 01 Stare Klaus RostStare sind sehr gesellige Vögel. Außerhalb der Brutzeit leben Stare in großen Schwärmen zusammen. Tagsüber suchen sie ihre Nahrung und abends treffen sie sich mit anderen Starentrupps an ihrem Schlafplatz. Dabei bevorzugen sie Schilfgürtel von Seen, Mooren und Flussmündungen oder in Bäumen. Es können schnell mal bis zu hunderttausend Stare zusammenkommen. Imposant sind die Flugmanöver, die sie vor dem Einfliegen in den Schlafplatz vollführen.

Foto - Klaus Rost: Eine Schar Stare im Geäst

Generell ist der Star Allesfresser, die Ernährung ist jahreszeitlich aber sehr unterschiedlich. Im Frühjahr und Frühsommer werden vor allem bodenlebende Wirbellose genutzt, vor allem Insekten, aber auch Regenwürmer und kleine Schnecken. Im übrigen Jahr frisst der Star überwiegend Obst und Beeren aller Art, in Mitteleuropa vor allem Kirschen und Äpfel, in West- und Südeuropa vor allem Weintrauben und Oliven. Im Herbst „besuchen“ sie oft in großen Schwärmen die Weinberge, wo sie jedoch unerwünschte Gäste sind. Hier werden sie oft mit lauten Böllerschüssen vertrieben.

Daneben nutzt der Star auch Nahrungsabfälle des Menschen in Siedlungen und auf Müllkippen.

Stare haben weit zur Schnabelwurzel hin verlagerte Augen, was im Zusammenhang mit ihrer Ernährung eine große Rolle spielt. Die Vögel stecken nämlich den Schnabel tief in den Boden, öffnen ihn dann einen Spalt breit, um ein Nahrungstier zu packen, und schauen am Schnabel entlang nach ihrer Beute.

Stare können in Einzelfällen ein Alter von über 20 Jahren erreichen, wie Ringfunde belegen. Ein in Dänemark beringter Star erreichte ein Alter von 22 Jahren und 11 Monaten, ein in Deutschland beringter Star wurde 21 Jahre und vier Monate alt. Viele Stare sterben im ersten Lebensjahr durch ihre Fressfeinde und den Menschen. Die Menschen stellen, besonders in den südlichen Ländern, während des Vogelzuges Vogelnetze auf und fangen jedes Jahr Millionen von Staren um sie zu verzehren.

Wenn uns Kleingärtnern, was ich nicht glaube, die Ernte der Süßkirchen und Weintrauben aus dem eignem Garten nicht so wichtig ist, der kann ohne weiteres auch etwas für den Star tun, indem eine Nistmöglichkeit mit einem Fluglochdurchmesser von 46 mm angebracht wird.

Klaus Rost