2017 02 Andrew Moon MadeiragoldhaehnchenVielfach wird immer angenommen, dass der Zaunkönig der kleinste einheimische Vogel sei, das trifft aber nicht zu, denn der Zaunkönig wiegt mit seinen 8 bis 9 Gramm immer noch einige Gramm mehr als das nur 5 bis 6 Gramm schwere Goldhähnchen. Damit sind diese winzigen Federbällchen die kleinsten heimischen Vögel.

Die Goldhähnchen (Regulus) sind eine kleine Gattung von Vögeln, die weltweit sieben Arten umfasst.

Foto - Andrew Moon: Madeiragoldhähnchen

Davon kommen zwei Arten, das Wintergoldhähnchen (Regulus regulus) und das Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapillus) in Südwest- und Mitteleuropa sowie in den Gebirgen Nordafrikas vor. Goldhähnchen leben in Mitteleuropa vorwiegend in Nadelwäldern, untergeordnet auch in Mischwäldern sowie Parks, wo sie – oft im Schwirrflug – im Kronenbereich nach Insekten- und Spinnennahrung suchen.

2017 02 OiseauxVendee WintergoldhaehnchenIn der Gefiederfärbung gleichen sich die beiden Arten annähernd. Die Oberseite ist olivgrün und die Unterseite ist grauweiß, wobei die Unterseite beim Wintergoldhähnchen etwas heller ausfällt. Beide Arten haben 2 weiße Binden in den Flügeln.

Ein Unterscheidungsmerkmal ist der Kopf. Das Wintergoldhähnchen hat einen gelben Scheitelstreif mit orange in der Mitte, das aber oft verdeckt ist. Beim Weibchen fällt dieser Scheitelstreif schmaler aus. Die dunklen Augen wirken rotkehlchenartig groß.

Foto - Oiseauxvendee: Wintergoldhähnchen

2017 02 Willyman SommergoldhaehnchenDas Sommergoldhähnchen hingegen hat einen auffallend weißen Überaugenstreif und einen dunklen Strich durchs Auge, wodurch die Augen nicht so groß erscheinen und der Scheitel ist intensiver orange gefärbt.

Ein sicheres Unterscheidungsmerkmal dieser beiden Arten ist der schwarze Augenstreif beim Sommergoldhähnchen. Bei beiden Arten fallen bei den Weibchen diese Merkmale jeweils etwas blasser aus.

Foto - Willyman: Sommergoldhähnchen

Die Namen sind nicht ganz zutreffend: das Sommergoldhähnchen kommt zwar nur im Sommer bei uns vor, das Wintergoldhähnchen auch im Winter. Das Wintergoldhähnchen wird auch als „Gelbköpfiges" und das Sommergoldhähnchen als „Feuerköpfiges" Goldhähnchen bezeichnet.

Wintergoldhähnchen zeichnen sich durch langes, weitstrahliges, sehr lockeres Körpergefieder aus, das den Vogel bei Kälte unverhältnismäßig groß und rundlich wirken lässt. Insbesondere das üppigere Nacken- und Vorderrückengefieder lässt es runder als das Sommergoldhähnchen erscheinen. Winter- und Sommergoldhähnchen weisen je zwei gefiederte Nasenborsten auf, die die Nasenöffnungen völlig überdecken.

In den Spitzen überhängender Fichtenzweige oder in den Außenzweigen von Nadelbäumen (Tannen, Fichten) gut versteckt wird das Nest, meist 10 bis 12 Meter sehr hoch gebaut, mitunter auch im Efeugerank. Das Nest beider Arten ist ein tiefer, dickwandiger, fester fast kugelförmiger Napf, der nicht auf einer Unterlage steht, sondern in einer Astgabel oder zwischen kleineren Ästen, die z.T. eingewoben sind, aufgehängt ist. Das Nestchen mit hochgezogenen Rändern aus Flechten, Fasern (Birke) und Moos und mit Raupengespinsten verfilzt. Der kleine Einschlupf liegt oben. Die Nestmulde ist weich mit kleinen Federchen, Tierhaaren und Pflanzenwolle ausgepolstert. Die Größe dieser Nestkugel beträgt im Durchschnitt etwa 10 cm und der Innenraum ist ca. 6 cm groß. Der komplizierte Nestbau bringt folgende Vorteile: Das Nest ist elastisch, windsicher und witterungsbeständig, isoliert, wärmt sich bei Sonnenbestrahlung auf und hält die Wärme lange, erlaubt dadurch dem Weibchen, das Nest während der Bebrütung öfter und für längere Zeiträume zu verlassen. Durch seine Bauweise dehnt es sich mit dem Heranwachsen der Jungen, damit erlaubt es eine höhlenbrüterähnlich lange Nestlingszeit.

Am Nestbau sind, nach dem das Männchen den Neststandort ausgewählt hat, beide Partner beteiligt. Das Männchen baut besonders an der Aufhängung und Außenschicht und schafft, besonders bei Erstnestern, die Hauptmasse des Spinnstoffs heran. Seine Bauaktivität nimmt bereits bei der Mittelschicht ab und es beteiligt sich auch nicht bei der Auspolsterung. Die Nestbauzeit beträgt etwa 20 Tage. Goldhähnchen geben niemals ein begonnenes Nest auf. Goldhähnchen-Nester sind erstaunlich stabil und nach dem Ausfliegen der Jungen noch intakt.

In der Regel werden zwei Jahresbruten durchgeführt. Während die Brutzeit beim Wintergoldhähnchen von Ende April bis Juni liegt, beginnt das Sommergoldhähnchen erst im Mai. Demnach verschiebt sich das Brutzeitende auch um ca. 4 Wochen. Die Gelegestärke liegt bei 8 bis 10 Eiern. Während die Eier des Wintergoldhähnchens gelblichweiß mit feinen bräunlichen oder fast rötlichen Wölkchen überhäuft sind und am stumpfen Pol kranzartig verstärkt sind, ist die Grundfarbe der Eier des Sommergoldhähnchens mehr gelbrötlich. Die Brutdauer liegt zwischen 14 und 16 Tagen.

Die Jungen sind Nesthocker und werden vom Weibchen und vom Männchen reichlich mit Nahrung in Form von kleinen Insekten und von Spinnentieren gefüttert. Nach etwa 18 bis 24 Tagen sind die Jungvögel flügge. Nach dem Verlassen des Nestes behalten die Jungvögel noch drei Monate lang ihr jugendliches Federkleid.

Goldhähnchen bevorzugen zu jeder Jahreszeit winzige, weichhäutige Beutetiere, nehmen jedoch im Winter und Frühling, bei zunehmender Nahrungsverknappung „alles", auch viel größere Beute, z.B. 20 mm lange Frostspanner-Männchen auf. Ab und zu werden an Futterstellen auch Brot und Fettreste aufgenommen. Die winzigen Insekten und deren Larven sowie Spinnentiere werden von und zwischen den Nadeln aufgepickt, aber auch von den Blättern aufgelesen. Die täglich aufgenommene Nahrungsmenge entspricht mindestens ihrem Körpergewicht. Bei Jungvögeln, Vögeln in der Mauser oder bei Weibchen während der Eiablage kann der Nahrungsbedarf auf das Doppelte ansteigen. Als Nestfeinde kommen neben Elster, Eichelhäher und Eichhörnchen auch Bilche in Betracht.

Klaus Rost