2016 NABU WaldkauzDietmar Heyder, Vogelberinger (LVZ, 15.06.2016) zum Artikel "Aus dem Nest gefallen - doch oft in Eingreifen völlig unnötig" (LVZ, 10.05.2016): Jedes Jahr erscheinen zur Brutzeit die unterschiedlichsten Ratschläge zum Auffinden von scheinbar völlig hilflosen Vogeljungen. Wird man ungewollt Finder, treten in kürzster Zeit Probleme auf. Hilfe vom Zoo oder von den Naturschutzbehörden zu erwarten ist illusorisch. Drei Beispiele: Drei Mädchen waren in Thüringen auf Klassenfahrt und fanden unter einem Baum einen ca. drei Wochen alten Waldkauz. Ein Ästling, der sich noch völlig flugunfähig ziemlich weit von seine Bruthöhle entfernt hatte. Diese fanden die Mädchen aber nicht. Was nun tun?

Foto NABU. Waldkauz

Auf den Baum setzen, wäre sinnlos gewesen, er wäre bestimmt wieder heruntergefallen. Also nahmen sie ihn mit nach Hause. Ein Ornithologe versprach Hilfe, aber in der Zwischenzeit recherchierten sie im Internet und fanden den einen oder anderen Ansprechpartner, bekamen aber nur Vorwürfe. "Der Kauz wurde in einem anderen Bundeland gefunden und sollte wieder dorthin gebracht werden", andere bezichtigten die Mädels der Wilddieberei. Letztlich fand das Käuzchen im Wildpark Leipzig ein Zuhause. Fazit: Die Mädchen sind von ihrer Tierliebe geheilt.

Beispiel zwei, geschehen 2015 in Böhlitz-Ehrenberg. Ein Jungfalke schaffte es auf seinem Jungefernflug bis zur stark befahrenen Merseburger Straße, eine Strecke von ca. 800 Metern, bis ihn die Kräfte verließen. Hätte man ihn auf eine höher gelegene Stelle gesetzt, wäre er mit großer Wahrscheinlichkeit wieder unten gelandet oder gar verhungert, denn die Altvögel hätten ihn nie wiedergefunden und sich nur noch seinen Geschwistern gewidmet. Glücklicherweise war der Jungfalke kurz vorher beringt worden. Vom Finder wurde er in der Vogelklinik eingeliefert. Am nächsten Tag konnte er abgeholt werden und am Erbrütungsort auf einem Flachdach ausgesetzt werden, wo sich doe Altvögel sofort um ihn kümmerten.

Beispiel drei: Vor wenigen Tagen klingelte abends das Telefon und ein elfjähriger Junge teilte mit, dass er auf dem Garagendach einen jungen Vogel gefunden hatte, wahrscheinlich ein Sperling, der noch nackt war und die Augen geschlossen hatte. Ich bat den Jungen, er möchte ihn zu mir bringen. Mit meinen warmen Händen schaffte ich es, seine Lebensgeister zu wecken. Nach einer halben Stunde war er wieder ganz mobil. EIne Verletzung konnte ich nicht feststellen, aber an ein Zurückbringen an den Brutort war überhaupt nicht zu denken. Kurz vor dem Dunkelwerden brachte ich den Sperling zu einem Nistkasten, in dem sich etwa gleichaltrige Jungvögel vom Feldsperling befanden. Am nächsten Morgen stellte ich erfreut fest, dass die Altvögel ihre Brut und das eingesetzte Vogeljunge weiter fütterten.

Diese drei Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, sofort den richtigen Ansprechpartner zu finden. Positiv zu erwähnen ist, dass der Naturschutzbund  Leipzig über eine Notfallnummer verfügt. 0157 - 7 32 52 706, täglich von 7 bis 21 Uhr, die auch im Internet bekannt gegeben wird.